Leseproben

Frühling 2020
Der Himmel ist stahlblau.
Auf dem Markt gibt es schon die ersten Erdbeeren.
Das Grün der Bäume ist zart und frisch, wie schön.
Schon blühen die Pappeln.
Ihr weißer Blütenflaum wird vom Wind über den Hof geweht.
Er bildet an den Rändern bei den Garagen einen weichen, flauschigen Teppich.
Der Flieder ist verblüht.
Jetzt öffnen bald die Rosen ihre ersten Knospen.

Die Blaumeisen sind krank und manche Menschen auch.
Sie haben alle das Gleiche.
Sie können nicht mehr atmen.

Der Himmel ist stahlblau.
Auf dem Markt gibt es schon die ersten Erdbeeren.
Das Grün der Bäume ist zart und frisch, wie schön.
Schon blühen die Pappeln.
Ihr weißer Blütenflaum wird vom Wind über den Hof geweht.
Er bildet an den Rändern bei den Garagen einen weichen, flauschigen Teppich.
Der Flieder ist verblüht.
Jetzt öffnen bald die Rosen ihre ersten Knospen.

Wald baden
Ich gehe Wald baden
Grün tanken
Buchen suchen
Efeu flechten
Sonne trinken
Vogelgezwitscher lauschen
Licht und Schatten im Spiel sehen
Moosduft einatmen
Baumstämme umarmen
Seele laben
Wurzeln streicheln
Draußen sein
Wald lieben
Stille und Frieden haben
Im Wald baden und darin eintauchen
Weltvergessen im Moment sein

Linien am Fluss
Irgendwo in Frankreich auf dem Land windet sich ein kleiner Fluss durch Wiesen, Felder, kleine Dörfchen und Wälder.
Libellen fliegen über das Wasser. Ihre schmalen, langen Körper leuchten blau, wie kleine Striche.
Ein Eisvogel schießt wie ein stählerner Blitz über den Fluss und verschwindet im Dickicht der nächsten Böschung. Mit seinem Flug zieht er eine Linie blau, metallen leuchtend.
Irgendwo in Frankreich auf dem Land ist Sommer, der Himmel ist blau. Die Luft ist heiß.
Nackte Kinder spielen am Fluss. Sie fangen mit kleinen Netzen kleine Fische. Auf der anderen Uferseite grasen braun-weiß gefleckte Kühe.
Auf einem Stück Straße nahe des Flusses liegen vier grau-schwarze Flussmuschelschalen in einer Linie. Einer der größeren Jungen hat sie dort hingelegt. Er heißt Kai und ist der Boss in der Gruppe.
Theo, einer der Kleineren steht bei den Muscheln und betrachtet sie. Kai ist weit weg mit den anderen beim Spielen. Theo, der sanfte kleine Junge sorgt sich um die Muscheln. Was ist, wenn sie überfahren werden und brechen? Dann sind sie kaputt. Gern hätte Theo auf die Muscheln aufgepasst. Aber die Angst vor Kai hält ihn zurück.
Da kommt eine Frau mit einem freundlichen Gesicht und blauen Augen. Sie nimmt alle vier Muscheln vom Asphalt und sagt zu Theo: „Nimm du sie an dich, pass auf sie auf bevor sie kaputtgehen.“
Vorsichtig legt sie ihm die vier Muschelschalen in die kleinen Hände. Vier schwarz-graue Flussmuschelschalen. Jetzt da Theo sie hat, betrachtet er sie genau. Er sieht, dass sie feine Rillen haben. Sie sehen aus wie Linien. Manchmal glänzen sie metallen wie die Fluglinien des Eisvogels, feine Linien über dem sich durch die Landschaft windenden Fluss.

Winternacht
Der milchige Mond geht im Westen unter.
Bitterkalte Winternacht.
Aus der Wärme des Hauses, des Bettes hinausgehen
In die Winternacht und durch die Welt fahren.
In der Nacht ist Traum gleich Wirklichkeit
Und Wirklichkeit gleich Traum.
So bleibt alles in allen Räumen.
Mensch träume und gleite zwischen den Welten und
den Träumen einher!
Wandle, wandle!

Ich fahre durch die Nacht
Fahre durch die Dörfer mit den Häusern, in denen die Menschen schlafen.
Fahre am Wald vorbei, wo die Füchse und die Rehe schlafen.
Im nächsten Dorf der Dorfbrunnen, da das alte Schloss im Park
Und draußen auf den Feldern Mäusebussarde, Graureiher auf Mäusejagd.
Ich fahre hinaus in die Ebene im Rücken die Berge und vor mir die leeren Winterfelder.
Weiche Farben, weiche Konturen zeichnet das Licht.
Die kahlen Bäume wie Bleistiftstriche fein gezeichnet.
Ich fahre durch die Nacht in den Tag hinein.


Sommertag
Oh schwüler, heißer Tag.
Eine Hitze wie in den Tropen, feucht.
Oh schwüler, heißer Tag an dem ich lebe, liebe, lache, weine.
Meine Seele tanzt in der Hitze des Tages, über die weite Ebene, über Sonnenblumenwiesen und Sommerwiesen mit reifen, trockenen Grashalmen, über gemähte Kornfelder, Stoppelfelder.
Heißer Wind, Sommerduft nach trockener Erde, nach Stroh und Staub.
Oh heißer Sommertag.
Drüben im Westen Wolken und dazwischen zieht die Sonne Wasser, weißliches Licht in strahlenförmigen Streifen wie bei einem kitschigen Ölbild. Regen wird kommen, hier bei uns oder anderswo.