Herzlich willkommen

Porträt_96

Für diese dunkle Jahreszeit eine kleine Geschichte:

Die Lichtsammlerin
Als Sonja, die Lichtsammlerin an diesem Morgen aus dem Haus trat,
sah sie, wie weit unten im Tal der Nebel aufstieg.
Sie sah, wie er die Hänge heraufeilte, getrieben von Winden.
Schnell füllte er das ganze Tal, schwer wie undurchdringliche Watte legte er sich auf alles; auf die Häuser, die Felder und den Wald.
Aber die Lichtsammlerin hob ihre Hände und bündelte die Strahlen der Sonne zu einem mächtigen Schwert.
Sie schlug Risse und Kerben in die Nebelwand.
Sie, die Lichtsammlerin durchdrang den Nebel und schickte das Licht bis weit hinunter ins Tal ganz nah zu den Menschen, die sie liebte.

Ein Momenta…
Am Nachmittag kam ein böiger Wind auf,
böig und heiß war er, so, als käme er direkt aus den südlichen Gefilden.
Wolken zogen auf. Manche sahen federleicht aus, flogen ganz weit oben.
Andere schoben sich schwer und dunkel über den lichten Sommerhimmel.
Es war die Zeit der Stockrosen und der ersten grünen Stangenbohnen aus dem Garten.
Kurz nach halb fünf flog eine Taube in den Hof und landete auf dem Pflaster.
Am Vogelfutterplatz von Marie tummelten sich aufgeregt zwitschernd eine Schar Spatzen.
Die Nachbarn von gegenüber waren an den großen See gefahren, um sich von den ersten Schrecken Coronas und wochenlangem Homeoffice zu erholen.
Als die Taube in den Hof flog, waren keine Kinder zum Spielen draußen.
Außer das Klavierspiel von Kaspar war es still im Hof. Der junge Kaspar hatte das Erbe seines verstorbenen Nachbarn angetreten;am Nachmittag Klavier zu spielen.
Die Taube ging über den Hof, neigte hin und wieder ihr Köpfchen und lugte nach oben, so, als höre sie dem Spiel des musizierenden Jungen zu….

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Schreiben ist ein Weg, um Dinge zu erfassen, einen Umgang damit zu finden, deshalb gibt es in dieser besonderen und schweren Zeit jeden Tag einen kleinen Text. Das von mir gewählte Wortspiel wird auch Listengedicht oder Akrostichon genannt. Die nach unten geschriebenen Buchstaben ergeben das vorgegebene Wort.

M und
A tmen
S ehen
K ern gesund
E infach

Mund schützen
Atmen hinter Tüchern
Sehen kann man nur noch die Augen
Kern gesund bleiben
Einfach ist das alles nicht

O sterhasen
S traßen
T äglich
E ierlauf
R undschreiben
N ähe

Osterhasen werden geschlachtet.
Straßen und Plätze sollen leer bleiben.
Täglich grüßt das Murmeltier.
Eierlauf im Garten.
Rundschreiben vom Minister gehen an die Bürger.
Nähe soll vermieden werden.
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Nach den Nachrichten von gestern wähle ich das Wort Horror!

H ölle
O hnmacht
R ot
R öcheln
O mein
R ettung

Hölle auf Erden.
Ohnmacht in blauen Schutzkitteln.
Rot der Abendhimmel nach einem langen Tag.
Röcheln aus allen Betten ist zu hören.
O mein Gott!
Rettung! Wo bist du?

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A lles
U ngestüm
S onderbar
H olunderblüten
A ugen
R iecht
R uhe
E sel
N eu

Alles ist offen.
Ungestüm gehe ich durch den Tag.
Sonderbar fühlt es sich manchmal an.
Holunderblüten gibt es erst im Juni.
Augen offen halten.
Es riecht nach Gülle auf den Wiesen.
Ruhe bewahren.
Esel traben über die steinerne Brücke.
Neu wird alles im Mai.

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S onnenschein
O ptimismus
R eise
G ras
E is
Sonnenschein, so frühlingshaft!
Optimismus schenkt uns Mutter Natur.
Die Reise geht in den eigenen Garten.
Das Gras wird immer grüner.
Die Eiszeit beginnt.

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K inder
R ichtig
I rrtümer
S ehen
E in

Kinder wissen was richtig ist.
Irrtümer kursieren weltweit.
Sehen können wir uns nun im Spiegel!
Ein jeder sich selbst.

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K ilo
L iebe
O der
P ausieren
A lbern
P apierflieger
I solation
E ingemachtes
R estless

Kiloweise Mehl kaufen.
Liebe machen mitten am Tag.
Oder im Streit pausieren.
Albern sein.
Papierflieger basteln.
Isolation erleben.
Eingemachtes aufessen.
Restless durch die Wohnung tigern.

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M anager
A rbeiten
S pargelfeldern
K onsum
E ntlarvt

Manager arbeiten auf Spargelfeldern.
Der Konsum ist entlarvt.

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A chtsam
B eten
S onnenschein
T au
A bsage
N atur
D ank

Achtsam sein und Abstand halten.
Beten, dass alles gut geht.
Den Sonnenschein genießen.
Im Tau den Regenbogen sehen.
Absagen erteilen und viel in der Natur verweilen.
Das Wort Dank neu lernen.

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Heute wählte ich das Wort Hoffnung!

H urra
O ben
F reude
F antasie
N ilpferd
U ps
N ashorn
G ut

Hurra! Rufen wir und schauen nach oben.
Mit Angst und Freude im Herzen gehen wir durch den Tag.
Mit viel Fantasie erkennen wir ein Nilpferd in den Wolken.
Ups oder ist es ein Nashorn?
Auch gut!

Das Wort drängt sich förmlich auf: Corona

C laudia
O ptimum
R uft
O fen
N acht
A usruhen

Claudia schreibt eine Postkarte an ihre Großmutter.
Das Optimum wird in Frage gestellt und neu definiert.
Man ruft sich jetzt öfters mal an.
Die Großmutter bleibt zu Hause beim warmen Ofen.
In der Nacht leuchten die Sterne heller denje.
Die Welt ruht sich aus.

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C aritas
O mnibus
R eden
O rchideen
N udelsalat
A ufrichtig

Viele üben sich in Caritas.
Der Omnibus fährt durch leere Straßen.
Die Menschen reden auf Distanz miteinander.
Die Orchideen bleiben in den Baumärkten oder haben plötzlich Gesellschaft am Fenster.
Heute Mittag gibt es Nudelsalat.
Aufrichtig sein!

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C haos
O hrensausen
R uhe
O bacht
N arzissen
a nrennen

Im Chaos bekommt ein jeder Ohrensausen und sehnt sich nach Ruhe.
Hab Obacht und schenke dir selbst Narzissen, um gegen die Angst anzurennen.